Schönheit

Beauty doesn’t exist. Diesen Satz hab ich heute mal wieder irgendwo gelesen. Die Annahme, Schönheit an sich gäbe es gar nicht, ist ja verbreitet. Schönheit liegt im Auge des Betrachters und so. Ich finde schon, dass es so etwas wie objektive Schönheit gibt. Natürlich gibt es auch subjektive Schönheit. Na klar, jeder hat persönliche Präferenzen. Aber ich finde schon, dass einige Menschen einfach schöner sind als andere. Und ich finde, das ist auch okay so. Natürlich sind einige Menschen äußerlich attraktiver als andere. Genau wie sich Menschen in ihren Talenten, in ihrer Persönlichkeit, in ihren Veranlagungen und vielem mehr unterscheiden, unterscheiden sie sich eben auch in der Attraktivität ihres Äußeren. Menschen sind halt verschieden. Wichtig ist, was daraus folgt. Und das ist der Kern des Problems. Der Fakt, dass sich Menschen in ihrer Persönlichkeit und ihrem Aussehen unterscheiden, macht keine Aussage über ihren Wert. Ich glaube, dieses ganze Gerede darum, dass Schönheit eigentlich gar nicht existiert, kommt daher, dass zu viele Menschen ihren Wert von ihrer äußerlichen Attraktivität abhängig machen. Da kommt es gelegen, Schönheit an sich zu negieren, anstatt sich mal Gedanken über ihre Bedeutsamkeit für das eigene Leben und das eigene Glück zu machen. Wäre es nicht sinnvoller anzuerkennen, dass Anni schönere Augen oder tollere Haare hat, und gleichzeitig zu wissen, dass zwischen diesem Fakt und meinem Wert als Mensch, meiner Beliebtheit bei Freunden und Familie, meinem persönlichen Glück kein Zusammenhang besteht? Dann ist es eben so, dass Julia längere Beine hat, na und? Dann hat Laura eben volleres Haar und Melanie nicht diesen doofen Hügel auf der Nase, NA UND? Dafür kann ich besser Fußball spielen, besser kochen, bin empathischer, gescheiter oder leidenschaftlicher. Oder was auch immer. Vielleicht fällt mir auch zunächst nichts ein, in dem ich besser bin als Julia, Laura oder Melanie. Dennoch habe ich den gleichen Wert, meine Bedürfnisse sind gleich wichtig, ich kann ebenso glücklich werden, kann die tollsten Freunde und einen erfüllenden Job haben, ich werde genauso geliebt und gern gehabt. Denn: Schönheit existiert, aber sie ist einfach nicht so wichtig. 


Ein Gedanke zu “Schönheit

  1. Ich bin von Beruf Kunsthistorikerin. Hier gehört die Frage nach der Existenz und der Beschreibung von Schönheit zu den Kernaufgaben der Arbeit. Es gibt Schönheit. Und es gibt schönere Menschen als andere. Aber. Schönheit wird in jeder Epoche, in jeder Region und was nicht alles anders definiert. Kulturelle Prägungen, etc. bestimmen Schönheitsideale. Auch bei Menschen. Ich habe Freund/innen, die definitiv schöner sind als ich. Nix zu machen. Aber. Auch hier. Beruf, Liebe, Familie, Freizeit, Freundschaft, alles basiert nicht allein auf Schönheit. Sie kommt dazu. Wie zum Beispiel Intelligenz. Hier ist auch nicht jede und jeder gleich ausgestattet. Und auch hier wird ziemlich schnell klar, wer intelligent ist und wer nicht. Wir müssen uns darüber im Klaren sein: die Welt ist ungerecht. Es gehört Mut dazu, Erfindungsreichtum, Hartnäckigkeit, Ideenreichtum, ein gutes Leben zu führen. Und das gilt auch für schöne Menschen. Ein Freund von mir sieht blendend aus. Doch sein Leben ist ziemlich chaotisch. Statt einen Beruf zu lernen, hat er immer nur gefallen, und aus Angst, Erwartungen nicht zu erfüllen, sich kategorisch verweigert. An ihm ist mir irgendwann klar geworden, wie schwierig es sein kann, immer im Mittelpunkt zu stehen und doch dauernd Leute enttäuschen zu müssen. Und noch etwas kommt hinzu: Beim Älter- und Alt-Werden haben die nicht so schönen Menschen enorme Vorteile. Erstens, weil sie möglicherweise gealtert besser aussehen als in der Jugend, oder sich zumindest „gut halten“, was bei jugendlichen Schönheiten krass daneben gehen kann, selbst wenn sie nur wenig zunehmen, nicht so viele Falten bekommen und keinen gravierenden Haarausfall. Zweitens, weil es ihnen kaum etwas ausmacht, nicht mehr im Fokus des Interesses zu stehen. Mir haben nie reihenweise Männer hinterhergeschaut, wenn ich über die Straße lief (doch, ja, einmal, mit der Perücke), insofern stört mich das jetzt nicht. Im Gegenteil, erst jetzt bemerke ich interessierte Blicke und kann ihnen standhalten, das heißt, lächeln zurückblickend. Eine ungeheuer erfreuliche Entwicklung. Und insofern gilt es auch hier: Mach‘ was draus. Die einfache Gleichung schön = erfolgreich = glücklich gibt es nicht.

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